Wie man Glück behält und Freiheit findet

Wenn man einen Menschen danach fragt, was ihm als Erstes durch den Kopf geht, wenn das Wort „Freiheit“ genannt wird, sind die Antworten recht unterschiedlich. Manche denken an Greifvögel und wie sie mit ihren großen Schwingen durch die Luft gleiten. Andere denken an die Zeit nach dem Schulabschluss, wieder andere, wie meine Oma, die denken ans Auto fahren. Sie fühle sich frei beim Autofahren und dieses Privileg kann ihr keiner mehr nehmen. Da musste ich grinsen. Ich überlegte, was für mich das Wort Freiheit bedeutet. Sofort kam mir mein Sommerurlaub in den Sinn. Ich war mit einer Horde toller Menschen segeln auf dem Ijsslemeer in den Niederlanden.

 

Gedankenkarussell hin oder her?

Als wir in See stachen und uns der Wind das erste Mal um die Nase pfiff, war ich einfach nur glücklich. Es fühlte sich so an, als würde man alles Schlechte hinter sich lassen und in eine ungewisse Zukunft aufbrechen. Mein alltägliches Gedankenkarusell setzte aus und ich konnte mich auf neue Dinge einlassen. Es lag eine Woche auf weiter See vor uns. Ohne Handynetz auf dem offenen Meer und ohne nennenswerte Probleme. Unser Schiff, die Nieuwe  Maen, war uns sofort  ans Herz gewachsen, als wir es das erste Mal sahen. Hier und da ein paar kleine Macken, aber wahre Schönheit ist ja bekanntlich nicht perfekt.

 

Gaby und Lennart

Unsere Kapitänin, die uns anleiten würde, hieß Gaby. Sie war etwa Mitte 40, braungebrannt, schwarze kurze Haare, mit Dreiviertelhose und T-Shirt bekleidet (auf einen BH hatte sie verzichtet). Sie machte einen zufriedenen Gesichtsausdruck und  lächelte vor sich hin, als wir ankamen. Zur Unterstützung hatte sie sich einen Matrosen ans Boot geholt. Lennart. Er war etwa Anfang 20, war ebenso von der Sonne gebräunt und hatte das typische Auftreten eines Surferboys. Eben nur mit holländischem Einschlag. Gaby und Lennart kamen mir völlig unbeschwert und selig vor. Mit einer Gelassenheit, die man selten noch findet, erklärten die Beiden uns die Grundregeln des Segelns.

 

Alltag ja  – aber kein Alltagstrott

An sich hatten wir eine entspannte Zeit. Wir segelten zwischen 9 und 10 Uhr los und waren immer ab circa 15 Uhr im nächsten Hafen. Dann hatten wir Zeit, die Hafenstadt näher zu betrachten, Souvenirs zu kaufen, Bilder zu machen oder die Zeit auf dem Schiff mit Gitarre spielen und ratschen zu verbringen.

Eines Abends sind wir als kleine Gruppe Richtung Küste gelaufen. Wir standen auf einer kleinen Erhöhung. Rechts von uns war eine hübsche Mühle zu sehen. Dahinter war das endlose Meer. Teilweise fühlte man sich wie bei IKEA, da die Häuser links von uns alle eine große Fensterfront in Richtung Meer haben. Man konnte das alltägliche Leben beobachten. Glückliche Familien, die zusammen beim Abendbrot saßen, Spiele spielten und hier und da noch ein einsamer Mensch, der an einem Laptop arbeitete.

 

Das Gefühl angekommen zu sein

Je länger wir unterwegs waren, desto wohler fühlte ich mich. Die Landschaft um mich herum war so wunderschön. Überall hatten Kühe, Pferde und Schafe riesige Weiden. Davon können viele Tiere  in Deutschland nur träumen.  Alle Menschen wirkten hier so glücklich. Wie ich oben schon erwähnt hatte, waren die Häuser sehr hübsch. Nicht nur die großen Fenster gefielen mir. Auch die Haustüren und der Baustil an sich waren meine Vorstellung von perfektem Wohnen. Hier hatte ich das Gefühl richtig angekommen zu sein. Hier fühlte ich mich wohl, glücklich und hier wollte ich nicht mehr weg. Auch ein halbes Jahr später kann ich mir die Erinnerungen und das Gefühl zurückholen und  in öden, unspektakulären, furchtbaren Zeiten darauf zurückgreifen.

Auch was Freiheit ist, hatte ich für mich persönlich geklärt. Ich hatte sie gefunden. In einer Reise, die perfekter nicht mehr hätte sein können.