Robin Hood wäre stolz gewesen

Wann kann ich Lebensmittel noch essen und wann sind sie wirklich verdorben? Habt ihr euch diese Frage auch schon mal gestellt? Regelmäßig schmeißen wir Essen in den Müll, das eigentlich noch genießbar wäre und denken uns gar nichts dabei.

Doch das ist nur ein kleiner Teil der Lebensmittel die in der Tonne landen. Ein viel größerer Teil wird von den Supermärkten selbst weggeworfen. Eine aufgerissene Müslipackung, die so keiner mehr kauft, ein Netz mit Orangen, von denen eine schimmelig ist, Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum am gestrigen Tag war. Ist das wirklich schon Müll?

Im Rahmen der Ausbildung beim Kurier sollten wir Auszubildenden des ersten Lehrjahres ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung absolvieren. Ich habe mich für ein Praktikum bei der Tafel in Bayreuth entschieden. Die Bayreuther Tafel gehört zum „Bundesverband Deutsche Tafel e.V.“ und so wie alle Tafeln deutschlandweit, bemüht auch sie sich „um einen Ausgleich: Sie sammeln „überschüssige“, aber qualitativ einwandfreie Lebensmittel, und geben diese an Bedürftige weiter. […] Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Spender und Sponsoren machen es möglich.“
Die Bayreuther Tafel hat mittwochs und samstags von 12-18:00 Uhr „Ausgabe“, d.h. an diesen Tagen werden die Lebensmittel verteilt. Von Montag bis Mittwoch und dann wieder von Donnerstag bis Samstag werden die Esswaren eingesammelt, sortiert, eingefroren, aufbereitet, etc.
In dieser Zeit fahren die Transporter der Tafel Supermärkte, Bäcker und auch kleinere Geschäfte an, um Lebensmittel abzuholen. Diese werden dann (kistenweise) zur Tafel gebracht, wo freiwillige Helfer sich daran machen, zu sortieren, portionieren und aufzubereiten. Bei Obst und Gemüse nimmt sich jeder Helfer eine Kiste und schaut jedes Stück daraus einzeln an. Brote, Brötchen und Kuchen vom Bäcker werden verpackt, sämtliche Joghurts, Käse, Milch, Wurst, Süßigkeiten und andere Waren in Regale im Verkaufsraum einsortiert. Frischfleisch und Fisch muss mindestens bis zum Tag der Ausgabe haltbar sein, bei den anderen Produkten macht es nichts, wenn sie schon ein paar Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum sind.

Um bei der Tafel einkaufen zu können, muss man sich dort registrieren und braucht einen Nachweis (z.B. von Caritas), dass man bedürftig ist. Dann bekommt man einen Ausweis der mit einem Farbpunkt versehen ist. Damit nicht alle Leute auf einmal in den Laden stürmen, dürfen zu bestimmten Zeiten nur bestimmte „Farben“ im Laden einkaufen. Das wechselt dann jedes Mal eins weiter, sodass jemand, der in der letzten „Schicht“ dran war (und damit eventuell weniger Auswahl hatte, da die Waren begrenzt sind), beim nächsten Mal wieder als erster um zwölf Uhr einkaufen kann. Ein Einkauf für eine Person kostet 1 €, zwei Personen zahlen 1,50 €, wer für mehr als zwei Personen Lebensmittel holt, zahlt 2 €.

Pro Ausgabetag kommen um die 200 Menschen und holen Lebensmittel für ca. 500 Leute ab, d.h. pro Woche werden bis  zu 1000 Leute von Lebensmitteln ernährt, die sonst im Müll gelandet wären.

Das System und die Idee dahinter ist meiner Meinung nach einfach super, denn die Tafeln schlagen hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen wird die Menge des Mülls (zumindest um einen kleinen Teil) reduziert, zum anderen bekommen bedürftige Menschen für einen kleinen Beitrag viele gute Lebensmittel. Das Praktikum hat mich total begeistert, es ist Wahnsinn, was für tolle Lebensmittel die Tafel von einigen Geschäften zur Verfügung gestellt bekommt. Auch wenn es schade ist, dass diese Produkte eigentlich völlig überflüssig produziert wurden, ist es doch gleichzeitig auch schön, dass sich so viele Menschen noch darüber freuen dürfen 🙂


Ich wünsche euch eine schöne Woche und bis bald

Eure Leonie ♥